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Für die Kinder tun wir alles

28. August 2020

Auf dem Kinderspielplatz vor meinem Haus wird gebaut. Mit schwerem Gerät, seit Wochen. Bagger reissen den Boden auf, grosse Lastwagen manövrieren auf dem Gelände, um Berge von Material abzuladen, Steine, Zement, auch grün lackierte Metallgerüste und ein Baumstamm mit Querstangen und buntem Dekor sind schon da, immer wieder kreischt eine Flex, röhrt die Mischmaschine und ist der Rüttler im Einsatz. Die Fahrzeuge drängen sich durch die Wohnstrasse und nehmen den Weg über die benachbarte Grünanlage.

Was geschieht hier? Ich verstehe es nicht.

Es ist erkennbar, dass etwas Neues für die Kinder gemacht werden soll. Wir sind in Deutschland, in einer Stadt, die als besonders kinderfreundlich gelten will. Aber welchen Sinn kann dieser unglaubliche Aufwand haben?

Die Kinder hatten dieses Jahr Monate lang keinen oder nur minimalen Zugang zu den Schulen, Horten und Kindergärten. Es gab fast keine Konzepte und Mittel dafür, wie sie in einer Krisenzeit die Bildung bekommen, die sie für ihre Entwicklung und Persönlichkeit brauchen und die ihnen zusteht. Auch die Spielplätze waren ihnen lang verschlossen. Werden die Kinder mit ihren Bedürfnissen wirklich ernst genommen?

Die Spielplätze, in dieser Stadt nur ungefähr hundert Meter voneinander entfernt, bieten Attraktionen für die Kleinen. Die können damit schon etwas anfangen. Wichtiger wäre für sie aber, freien Raum und einfache Materialien zu haben, damit sie sich selbst eine Welt gestalten können. Oft haben Kinder zu Haus viel teures Spielzeug als Ersatz dafür, dass die Eltern wenig Zeit für sie haben. Eine Strasse ohne Autos und ein Stück Natur, das ist heute ein zu seltener Platz für spielerische Erfahrungen.

Ist der hochprofessionelle Bauplatz also nur gut gemeint? Das viele Geld wird immerhin nicht in eine neue Strasse investiert. Aber auch nicht in dringend nötige pädagogische Arbeitsstellen, für Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen, psychologische Fachkräfte in den Schulen, den Tageseinrichtungen oder der Kinder- und Jugendhilfe …

Mir fällt auf, dass die Bauwirtschaft in der Krise kaum betroffen zu sein scheint. Dies ist erfreulich für die Beschäftigten und deren Familien und wahrscheinlich noch mehr für die Chefs. Die Firmen sind so sehr im Einvernehmen mit der Politik, dass sie derart überdimensionierte Aufträge an Land ziehen können. Ich muss vermuten: Die Kinder sind da nur ein nützliches Argument. Und unsere Gesellschaft belügt sich selbst, wenn sie glaubt, für ihre Kinder täte sie alles.

Claire Destinée

Themen: Allgemein · Kultur · Natur · Politik

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