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Wege der Steine

9. September 2014

Sagt jemand, die Steine sind unbeweglich? Die grossen und kleinen Steine sehen aus, als ob sie in sich ruhten. Wie wenn sie sich nicht veränderten, über Jahrtausende nicht, nie: alt und jung zugleich. Wir leben mit den Steinen, den scheinbar ewigen, sie sind uns nahe. “Diese Sache liegt mir wie ein Stein im Magen”, so lautet eine Redensart bei einem Problem, das zu lösen schwerfällt. Und dann, als es erledigt ist: “Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.” Also hat er sich doch bewegt, jedenfalls in Richtung der Schwerkraft.


Meteoritenfall bei Ensisheim im Elsass am 7. November 1492, dargestellt von Diebold Schilling in der Luzerner Bilderchronik 1513

Steinschlag ist eine Bedrohung an Felshängen. Manchmal fallen Steine vom Himmel auf die Erde, Meteoriten. Diese unsere Erde, die vor allem aus Gestein besteht, dem festen Boden, den wir unter den Füssen brauchen.


Steine in Norwegen - dort heisst es, dass Wandernde den Pyramiden einen Stein hinzufügen sollten, um die Trolle (Geister) zu beruhigen. Foto: Ricklef Dmoch / pixelio

Sie können sich fortbewegen, indem sie sich tragen lassen. Bäche und Flüsse bringen sie ins Rollen (”Rolling Stones” …), schleifen sie dabei zu Kieseln und zu Sand. Das Eis von Gletschern transportiert Steintrümmer Kilometer weit. Bauern, die in bergigen Gegenden pflügen und eggen, verlagern damit die Steine in den Äckern, sie klauben grössere heraus (”Lesesteine” …) und schichten sie an den Rändern der Felder auf.


Felder und Mauern in Apulien (Italien) - Foto: Dieter Schütz / pixelio

Es wird gesagt, dass die Steine in frostigen Wintern aus dem Boden wachsen; das ist der wissenschaftlich noch kaum verstandene Vorgang des “Auffrierens”. Häuser, wenigstens die Wände, sind aus solchen Natursteinen gebaut. Gerade und einfach zu mauernde Blöcke aus dem Steinbruch zu sägen, ist schwieriger. Eher werden künstliche Steine gefertigt, traditionell besonders in steinarmen Ebenen; aus dort als Lehm vorhandenen Mineralen werden Ziegel geformt, getrocknet und gebrannt. Eine Mischung vorbereiteter mineralischer Substanzen, darunter gemahlener Steine, mit Wasser ergibt den modernen Universalbaustoff Beton.


Borie bei Bonnieux in der Provence - Foto: Dominique Repérant / Wikipedia, CC BY 2.5

Natürliche Steine sind für das Bauen, Pflastern und Dekorieren aufgrund ihrer Härte, Festigkeit, Dauerhaftigkeit, Bearbeitbarkeit geschätzt - und wegen ihres Aussehens, bei dem sich von Optik oder von Schönheit sprechen lässt. Granit, Sandstein, Schiefer, Basalt, Marmor sind deshalb von ihren Fundorten aus auf immer längeren Strecken unterwegs, inzwischen rund um die Erde. Für monumentale Bauten wie den Kölner Dom fuhren schon vor Hunderten Jahren Schilfsandsteine aus den Steinbrüchen bei Heilbronn auf Schiffen den Neckar und den Rhein hinunter, obwohl auch in der Nähe Material lag. Die “Bremer Steine” für Bauten und Skulpturen in der Hansestadt kamen aus dem entfernten Weserbergland und wurden über die Nordsee an weitere Zielorte verfrachtet. Für die europäischen Bauplätze beschafft der Handel seither Steine in rauen Mengen auch aus Indien, China, Südafrika und Brasilien. Nicht unbedingt wegen der Qualität, vielmehr weil hierzuland der Landschaftsschutz mehr gilt und den Abbau beschränkt, und vor allem wegen günstigerer Preise. Die errechnen sich aus geringen Lohnkosten in den Ursprungsländern. Über deren Verhältnisse wird bei uns nicht viel bekannt, aber wir können wissen, dass dort auch Kinder unter Lebensgefahr in den Steinbrüchen hämmern, schleppen und Staub einatmen müssen, statt dass sie in die Schule gehen könnten.

“Durch sein attraktives Farbenspiel beflügelt Nevada Colored die Phantasie!”, so bietet eine deutsche Baustofffirma Sandsteinplatten an, die entgegen ihrem Namen nicht aus den USA, sondern aus Indien kommen, ebenso wie eine andere Sorte, die abwechselnd unter den Bezeichnungen “Sahara” und “Toskana” auf dem Markt ist. Phantastische Reisen der Steine …

Steine faszinieren durch ihre eigenartige Form, Oberfläche, Farbigkeit, Struktur. In ihnen lassen sich Bilder sehen. Manche Steine klingen, wenn an ihnen geklopft wird. Aus dem Feuerstein springen Funken. Besondere werden als Schmuckstücke getragen. Steine sind auch Stoff für die Kunst der Skulptur, die aus ihnen eine Gestalt befreit. Im griechischen Mythos haben Deukalion und Pyrrha nach einer katastrophalen Flut Steine auf den feuchten Boden geworfen und daraus entstanden Menschen, aus seinen Steinen Männer, aus ihren Frauen …

“Ich griff nach dem Steine, den ich neben mir zur Wegebesserung mit frischem schwarzglänzendem Bruche zerschlagen fand, und erkannte ihn als einen gültigen Zeugen grösserer Weltbegebenheiten, als die ich erlebt hatte.”
Achim von Arnim

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> Die Kinderhilfsorganisation terre des hommes zu Natursteinen
> Xertifix: ethisches Siegel für Steine
> Fair Stone: Sozial- und Umweltstandard

[dazu:
Nah dran und mitten drin - Leben in der Region
Kunst begegnet Natur]


Themen: Allgemein · Kultur · Natur · Politik

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