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Werte bilden Persönlichkeiten und Kulturen

24. Mai 2022

In den letzten Jahren war auffällig, dass viele Menschen, im privaten Umkreis und in der Öffentlichkeit, ihre Meinung geändert haben. Auf einmal hatten sie ganz andere Standpunkte als zuvor und waren kaum wiederzuerkennen. Der Wechsel erfolgte meistens nicht aus Vernunft, vielmehr aus Gefühlen, ausgelöst durch die Corona-Krise und dann den Ukraine-Krieg. Schon seit einiger Zeit wurde eine tiefere Ursache für solche krassen Persönlichkeitsveränderungen bemerkbar. Ein Verlust – etwas, das lange für wichtig gehalten worden war, ist grossenteils verschwunden: Werte.

Es gibt Werte, von denen weiter gesprochen wird, auch mehr als früher: Temperaturwerte, Aktienwerte, Umfragewerte … Bei zunehmender Geldentwertung investiert in Wertanlagen wie Fonds, Immobilien oder Kunst, wer es sich leisten kann. Damit die Menschheit ihre immer drängenderen Probleme bewältigt, braucht sie aber nicht materielle Sicherungen, sondern geistige Werte, die ihr Halt geben und die Richtung sowie die Mittel zeigen.

Diese Werte gehen aus den Regeln hervor, die jede Gemeinschaft oder Gesellschaft für ihr Überleben benötigt. Rücksicht und gegenseitiger Respekt sind grundlegend. Üblicherweise, so war es in der Geschichte, werden die Werte und Verhaltensweisen bewusst, über sie wird gesprochen, sie werden weitergedacht und ausgestaltet. So helfen sie den Einzelnen und der Gesamtheit, gut zu leben. Werte bilden Persönlichkeiten und Kulturen.

In der Debatte um die „politische Korrektheit“ ist das Verschwinden der Werte deutlich geworden. Die Hinweise für ein „korrektes“, besseres zwischenmenschliches Verhalten sind grundsätzlich berechtigt. Ob sie jeweils sinnvoll sind, kann diskutiert werden, viele Äusserungen auch von Prominenten dazu waren jedoch respektlos und diskriminierend. Leute, die früher fortschrittlich dachten und das Anliegen mitvertraten, wollten davon nichts mehr wissen.

Inzwischen haben Eliten, die einmal Werte hochgehalten hatten, den Worten den Sinn genommen und ihn ins Gegenteil verkehrt, um damit propagandistisch Macht zu gewinnen. Vorsicht! Deshalb wird hier richtiggestellt:

Frieden ist nicht Aufrüstung und nicht militärische Sicherheitspolitik, ihm dienen nicht Truppenstützpunkte, Raketenstellungen und Manöver an der Grenze eines Nachbarlandes, er wird nicht erreicht mit angeblichen Verteidigungsbündnissen zwischen einer Grossmacht und anderen Staaten oder mit Waffenlieferungen, er verträgt keine Feindbilder.
Frieden ist respektvolles Gespräch, bemüht sich um Verständnis, bewährt sich in Austausch und Handel miteinander, verwendet zur Bearbeitung von Konflikten hochentwickelte zivile Kompetenzen und Methoden, pflegt die Zusammenarbeit.

> Ziviler Friedensdienst

Solidarität macht nicht Druck zur Anpassung oder Gleichschaltung, ist nicht Zwang zum Verlust von Grundrechten (wie bei der Impfpflicht), setzt nicht Interessen von Herrschenden durch, verfolgt nicht sinnlose Ziele.
Solidarität ist freiwillig und für alle Beteiligten nützlich, vertritt gemeinsame Interessen, wirkt sich in gegenseitiger Hilfe und Unterstützung aus, respektiert Unterschiede und andere Ansichten, trifft Entscheidungen mit allen.

Freiheit beweist sich nicht in Vorteilen von Mächtigen und Reichen, geht nicht zulasten anderer, wird nicht für Unterordnung aufgegeben, steht staatlichen oder wirtschaftlichen Kontroll- und Sicherheitsstrukturen entgegen, ist nicht verantwortungslos.
Freiheit ist für alle da, verhält sich tolerant, sucht die Gemeinsamkeit, bringt Mut auf, zeigt sich schöpferisch, teilt das Erreichte mit.

Demokratie vollzieht sich nicht in seltenen Wahlen, nach denen Parteien und Lobbys tun, was sie wollen, sie bedeutet nicht Ohnmacht von Bürgerinnen und Bürgern, lässt kein Versagen der Politik vor angeblichen Sachzwängen zu, versäumt nicht zeitgemässe Reformen ihrer selbst.
Demokratie beteiligt alle, berät über alle Probleme in geeigneter Form, lässt bei Bedarf alle über konkrete Angelegenheiten mitentscheiden, ermöglicht neue Lösungen, motiviert für gemeinsame Aufgaben.

Gerechtigkeit heisst nicht, dass sie nur durch Leistung zu bekommen ist, sie duldet nicht immer grössere Unterschiede zwischen Armen und Reichen, sie ist nicht vorhanden, wenn Arbeit für Menschen weniger wert ist als Arbeit für Waren.
Gerechtigkeit ist Ausgleich von Nachteilen, lässt niemanden zurück, schafft gleiche Chancen für alle, bringt Menschen zusammen, fördert den Einsatz für die Gemeinschaft.

Wahrheit ist oft nicht das, was die Mehrheit sagt oder die grossen Medien verkünden oder politisch Aktive behaupten, und auch nicht unbedingt das, was die Wissenschaft darstellt, Wahrheit ist nicht ideologisch oder dogmatisch und schon gar nicht fanatisch.
Wahrheit erweist sich durch Kritik und Selbstkritik, sie wird oft nur oder zuerst von Einzelnen und kleinen Gruppen erkannt, kann auch persönlich und subjektiv bleiben, kann sich ändern und gibt immer wieder Anlass zu friedlichen Gesprächen.

Verantwortung besteht nicht darin, Macht auszuüben, sich auf Zwänge zu berufen oder andere verantwortlich zu machen, sie heisst nicht, sich nur zu ärgern, und auch nicht, allein zurechtkommen zu müssen, sie wird nicht von denjenigen wahrgenommen, die nicht aus der Vergangenheit lernen, und nicht von denjenigen, die nicht auf die Auswirkungen ihres Handeln achten.
Verantwortung beweist sich darin, Macht abzugeben und möglichst viele an Entscheidungen zu beteiligen, sie bedeutet, sich einzusetzen, und wird auch für andere getragen, und sie wird wahrgenommen durch sozial, ökologisch und kulturell nachhaltiges Handeln.

Matthias Kunstmann / maximil

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„Wenn du Frieden willst, bereite den Frieden vor; wer Krieg vorbereitet, wird Krieg bekommen.“
Franz Alt

„Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker.“
Ernesto Cardenal

„Erziehung zur Wahrheit heisst, die Fähigkeit zu vermitteln, selbst nach dem suchen zu können, was ich persönlich als wahr empfinde, und mir keine angebliche Wahrheit vorschreiben zu lassen und andererseits dem Mitmenschen nicht meine Wahrheit aufzwingen zu wollen.“
Hans A. Pestalozzi

„Sorgt doch, dass ihr, die Welt verlassend, nicht nur gut wart, sondern verlasst eine gute Welt!“
Bertolt Brecht

> „Wir warnen vor einem zweifachen Irrtum“: Offener Brief an den deutschen Bundeskanzler, 29.4.2022

[Dazu:
Wirksamer Einsatz für Demokratie und Menschenrechte
Was ist das Freisein wert?
Neues demokratisches Glück
Zahlengläubig
Wozu Wissenschaft nützt]

Themen: Allgemein · Kultur · Politik

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