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Vor dem Bildschirm

17. Februar 2010

Als das Fernsehen aufkam, hat sein Publikum damit einen immer grösseren Teil seiner Freizeit verbracht. Der Bildschirm öffnete in der Wohnung ein Fenster zur weiten Welt. Mit den Rechnern wurden Bildschirme an den Arbeitsplätzen aufgestellt, zunächst nur zu eng definierten Zwecken, dann multifunktional und vernetzt, und schnell sind die Computer auch ins Privatleben eingezogen. Viele Menschen leben inzwischen täglich stundenlang vor den Schirmen. Es ist angeraten, zu erkennen, was das bedeutet.

Wie verhalten sich Menschen am Rechner, dem Bildschirm gegenüber? Da die Geräte anders als das Fernsehen interaktiv sind, gibt es etwas zu tun. Deshalb wird hier zuerst das physische Verhalten beobachtet - nicht ein extremes, sondern der durchschnittliche Normalfall.

Arbeit mit den Fingerspitzen gibt es schon bei der Schreibmaschine, jetzt ist sie das Übliche: An verschiedenen Geräten werden Eingaben über Tastatur, Maus, Berührbildschirm oder Schalter erwartet, an Rechnern, Telefonen, Automaten für Geld oder Fahrkarten, Kassen, Steuer- und Registriergeräten - ausser wenn Daten mit einem Lesegerät erfasst werden. Die Finger werden beim Tippen und Klicken meistens gleichförmig von oben nach unten bewegt. Die Hände bewegen sich dabei und bei der Mausführung schematisch und auf engem Raum. Andere Fähigkeiten der Hände wie das Greifen - von dem sich das Begreifen ableitet - werden ausser bei der immer gleichen Maus nicht angewendet. Zielsicherheit und Ausdauer sind nötig, aber nicht Fingerspitzengefühl - das wird taub.

Das Wort “digital” kommt vom Zählen mit den Fingern; zum Rechnen werden die Hände so nicht mehr gebraucht, und auch vieles andere müssen sie nicht mehr können.

Zwischen der Eingabe und dem Ergebnis auf dem Schirm ist ein sinnlich nicht nachvollziehbarer Abstand. Das Ergebnis ist von verschiedenen Einstellungen (Formatierung etc.) abhängig und über das digitale Programm vermittelt, aber es hat nicht spürbar mit der normierten Hand- und Fingerbewegung zu tun.

Dem Bildschirm gegenüber ist der Blick auf ein Rechteck fixiert, oft im gleichbleibenden Abstand und stundenlang. Bei mobilen Kommunikationsgeräten ist das Sichtfeld klein. Die Darstellung ist zweidimensional. Anders als in der komplexen räumlichen Wirklichkeit ist die Sehtätigkeit sehr beschränkt und spezialisiert. Ton zum Hören ist dabei, andere sinnliche Fähigkeiten (Fühlen, Riechen, Schmecken…) werden nicht beansprucht.

Das Radio lässt dagegen viel mehr Freiheit für die Fantasie…

Die Körperhaltung vor dem Bildschirm ist insgesamt fast stillgestellt, der Mensch sitzt fest. Mit einem Buch oder einer Zeitung ist es anders: Lesen ist in verschiedenen Haltungen möglich, die Hände greifen und fühlen den Gegenstand, blättern um…

Bei interaktiven Geräten, besonders da, wo Automaten persönliche Beziehungen ersetzen, werden zudem die Besonderheiten und vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der menschlichen Kommunikation nicht mehr gebraucht, der Ton der Sprache, der gegenseitige Blickkontakt, Mimik und Gestik. Die Tendenz ist, dass sie nicht ausreichend geübt werden, oder sie werden sogar verlernt.

Die digitale Technologie standardisiert menschliche Handlungs- und Denkweisen. Die meisten üblichen Anwendungsprogramme sind inzwischen gleich aufgebaut und verlangen die gleichen Vollzüge: Datei öffnen - bearbeiten - Schreibmarke setzen - markieren - kopieren und einfügen - Datei speichern; es wird immer wieder aus “Menüs” ausgewählt und mit “Eingabe” ein Beschluss ausgeführt; es wird heruntergeladen statt im Laden erworben. Zum Vergleich: Diese Arbeitschritte gelten auch für die digitale Bildbearbeitung, während sich in einem analogen Fotolabor ganz eigene Materialien, Handgriffe und Abläufe fanden. Das vereinheitlichte Handeln wirkt sich auf das Denken aus. Ausdrücke für häufige Vorgänge am Rechner wie “Multitasking” für den schnellen Wechsel zwischen Programmen und Bildschirmfenstern wurden auf die menschliche Bewältigung von Alltagssituationen übertragen - das macht den Einfluss deutlich.

Das Wissen der Menschheit liegt im Netz; zumindest das, was als relevant gilt, und dazu viel, was eher als kollektives Unbewusstes anzusehen ist und oft chaotisch anmutet. Alles, oder jedenfalls das, was üblicherweise gebraucht wird, ist im Internet abrufbar. Damit eröffnen sich einerseits ungeahnte Möglichkeiten. Andererseits: Wir müssen sowieso zu viel wissen - jetzt müssen wir uns nichts mehr merken. Über die Schnittstelle zwischen Mensch und Suchmaschine beziehen wir nach Bedarf Informationen, die wir meistens schnell wieder vergessen können, weil sie nur kurze Zeit aktuell sind. Das individuelle Gedächtnis schrumpft. Darin bleiben vielleicht noch persönliche Erinnerungen, an Erlebnisse, Begegnungen, Erfolge, Kränkungen, Genüsse. Früher wurde viel auswendig gelernt und war jederzeit präsent, Menschen konnten Geschichten erzählen, die sie nicht selbst erlebt, aber nachvollzogen hatten, sie sagten Gedichte auf, hatten historische Daten parat. Heute gibt es noch die erlebten Geschichten, aber wer kann auch nur einigermassen überzeugend die Geschichte eines gerade gesehenen Films wiedergeben?

Wenn das Gedächtnis fehlt, ist das Denken behindert. Denn das Denken braucht als Grundlage Wissensdaten, die es verbinden oder unterscheiden kann. Die müssen unmittelbar vorhanden sein - wenn sie erst technisch besorgt werden müssen, ist der Gedankengang unterbrochen. Überhaupt ist das Denken orientierungsgestört, wenn sich im Gedächtnis nicht schon Fakten und Beurteilungen zu einer Struktur angeordnet haben. Stattdessen spontanen Informationsimpulsen zu folgen, kann interessant sein und auch zu einer assoziativen Struktur führen, aber die wird ziemlich zufällig und beliebig. Übersicht und Durchblick werden so nur ausnahmsweise zustande kommen.

Die Beziehungen zwischen Menschen verändern sich. Im Netz pulsiert die Kommunikation. Weltweit gibt es schnelle Kontakte, Botschaften erreichen sofort ein globales Publikum. Allerdings sehen sich die Beteiligten meistens nicht, sie erleben nicht eine räumliche Begegnungssituation mit ihrer natürlichen und wichtigen Komplexität. Die grosse Masse der Aussagen in Foren und Blogkommentaren ist zudem banal, oberflächlich, nichtssagend. Die “Gemeinschaften”, die entstehen, sind vielfach fiktiv. Das Gefühl, dazuzugehören, ist dann kaum tiefgehend.

Das Vorgegebene im Netz, Texte, Bilder, Musik, ersetzt ausserdem sozialen Austausch im wirklichen Leben. Wir müssen niemanden fragen, mit niemandem diskutieren, mit niemandem etwas ausmachen. Vor dem Bildschirm sind wir allein - vor dem des Rechners noch mehr als vor dem (bisher noch getrennten) des Fernsehgeräts, das mit seinem festen Sendeprogramm oder einem vorrätigen DVD-Film noch gemeinsames Schauen veranlassen kann. Die menschliche Isolierung an den Bildschirmen reduziert am Arbeitsplatz und in der Freizeit sowohl soziale und kommunikative Fähigkeiten als auch die daraus sonst entstehenden Gewinne an Erfahrung, Selbstbewusstsein, Bildung und Gemeinschaftserleben.

Die Rechner und ihre Infrastruktur sind selbstverständlich Mittel für die Rationalisierung der Arbeit. Maschinen haben zunächst körperlich anstrengende und dreckige menschliche Arbeit übernommen. Dann sind durch die Rechner Arbeitskräfte in den Büros überflüssig geworden. Der Kampf um die Arbeitsplätze - den es bei entsprechend kürzerer Arbeitszeit für alle gar nicht geben müsste! - bringt Unsicherheit, Druck, Ängste, noch intensivere Vereinzelung mit sich, die weiteren Folgen sind Zwänge zu übermässiger Flexibilität und Mobilität. Dass es heute bei beruflicher Tätigkeit in der Ferne leichter ist, mit der Familie, den Freunden und Kolleginnen in der Heimat zu kommunizieren, ist nur ein schwacher Ausgleich. Wer keine Arbeit mehr hat, kann sich verstärkt dem Rechner daheim widmen.

Hier soll nicht die Rede sein von Internetsucht, Kriminalität im Netz, Datenmissbrauch, weil dafür die Technologie nicht Ursache ist und etwas dagegen getan werden kann, privat, rechtlich oder politisch.

Aber wie sollen wir mit dem alltäglich gewordenen Netz umgehen? Kaum jemand wird sich problemlos anpassen, und das sollten wir auch nicht. Angebracht ist eine gewisse Distanz, räumlich und kritisch: immer wieder rechtzeitig vom Schirm wegsehen, weggehen, eine Pause machen. Auch mal mit Stift und Papier schreiben, ein Buch lesen. Sich selbst fühlen und es spüren, wenn eine andere Beschäftigung wohler täte. Mit anderen Menschen zusammen sein. Es gibt ein Leben ausserhalb des Netzes…

maximil

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Die eigene Sprache

1. Februar 2010

Wenn die Sprache nicht funktioniert, ist die Kommunikation gestört, und Menschen kommen noch weniger miteinander klar als so schon. Sprache muss verständlich sein. Sie muss sich an Regeln halten - ohne oder gegen die Spielregeln kann sie zwar poetisch werden, aber das gemeinsame Spiel ist erst mal unterbrochen. Das richtige Wort an der passenden Stelle: So wird die Botschaft übermittelt.

Oft wird auch schriftlich nur geplaudert, ohne besondere Inhalte, zugunsten des sozialen Zusammengehörigkeitsgefühls. Wer darüber hinaus etwas sagen will, wird auf den Inhalt achten und bewusst sprechen. Um sich mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen und Gedanken oder Gefühle auszudrücken, bietet die Sprache differenzierte Möglichkeiten, die wahrgenommen werden sollten.

Modische Ausdrucksweisen übertragen eher Stimmungen als Bedeutungen. Solche Wörter und Wendungen werden meistens nicht bewusst verwendet, sondern nachahmend und aus Gewohnheit, und sind deshalb undeutlich. Häufig werden derartige Formulierungen, die überwiegend aus dem Englischen kommen, unverstanden benutzt - dagegen wären entsprechende deutsche Wörter viel aussagestärker.

Es gibt globale, nationale, regionale, lokale Sprachen - und die persönliche Sprache. Je mehr sich Sprachen vereinheitlichen und Anpassung verlangen, desto wichtiger wird es, die eigene Sprache zu finden, sie wertzuschätzen und zu gestalten.

maximil

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2010

1. Januar 2010

2010

“Divadlo Zahrada” (”Garten-Theater”), Broumov, Tschechien

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Surrealismus mit Vernunft

17. Dezember 2009

Der Titel der Ausstellung “Gegen jede Vernunft. Surrealismus Paris - Prag” in Ludwigshafen ist irreführend. Die Bewegung des Surrealismus richtet sich jedenfalls von ihren ursprünglichen Absichten her nicht gegen die Vernunft. Sie wendet sich gegen ein falsches Verständnis davon, das autoritär oder aus Gewohnheit die Wahrnehmung beschränkt und damit die Vernunft behindert.

Mit dem Ausstellungstitel wird die Definition des Surrealismus in André Bretons Manifest von 1924 missverstanden. Sie besagt, dass sich das Denken “ohne jede Kontrolle durch die Vernunft” äussert. Entsprechende Verfahren sollen die Wahrnehmung befreien. Was dabei entdeckt wird, ist dann der Vernunft zugänglich, die es für das menschliche Leben auswertet. Mit Bezug auf Sigmund Freud, einen rationalen Denker, formulierte Breton: “Wenn die Tiefen unseres Geistes fremde Kräfte verbergen, die zu denen an der Oberfläche hinzukommen oder sie bekämpfen und besiegen können, dann besteht grosses Interesse daran, diese Kräfte zu fassen, sie erst einmal zu fassen zu bekommen, um sie danach gegebenenfalls der Kontrolle unserer Vernunft zu unterwerfen.”

Aber nehmen wir an, dass die sehenswerte Ludwigshafener Ausstellung surrealistisch provozieren will.

Sie zeigt besonders die Breite und Vielfalt des Surrealismus in der früheren Tschechoslowakei und die Beziehungen seiner Aktiven zur Szene in Frankreich. Es bleibt zu klären, was Surrealismus im Raum zwischen diesen Ländern, also in Deutschland, bedeutet.

buch André Breton, “Manifeste des Surrealismus”, Rowohlt TB 2009, 9,95 €

maximil

[Bezieht sich auf Surreales entdecken]

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Surreales entdecken

17. Dezember 2009

“Glaube nicht, was sie dir sagen. Ich habe gelernt, selbst zu sehen, zu hören, zu fühlen. Da geschehen Wunder.” Diese Erkenntnis eines Weisen ist anwendbar auf Zeitungen, Fernsehen, Politik, Werbung, Gerüchte und auf Bücher, Bilder, Filme. Die Kunst ist auch ein Teil der Wirtschaft, hat einen Markt, wird gern ohne Fragen und Kritik konsumiert.

Dagegen hat Bertolt Brecht Widerstand aufgebaut, er wollte keinen kulinarischen Kunstgenuss, nicht Unterhaltung, sondern Anregung zu eigenem Denken, Provokation, die Veränderung ermöglicht. Wenn ein Gemälde, ein Roman, eine Theateraufführung einen Skandal auslöste, dann waren persönliche Stellungnahmen gefragt und Diskussionen über das, was daraus folgen konnte. Solche Furore ist aber nicht dazu nötig, dass ein Werk wirkt - wenn es gemäss Definition von Kunst originell, ungewöhnlich ist, kann jemand in der Begegnung mit ihm durch Gedanken und Gefühle etwas erfahren und sich bilden.

Bei Texten und Bildern, die eine eindeutige Botschaft zu übermitteln scheinen, kann Misstrauen angebracht sein, bei sachlichen Nachrichten und auch bei Kunst. Es kommt darauf an, wahrzunehmen: Was bedeutet es für mich? Was hat es mit mir zu tun? Wie wirkt es auf mich? Wie stehe ich dazu? Was kann ich damit anfangen? Was will ich antworten?

Auf der Suche nach Wahrheiten hinter den Aussagen und Dingen ist die Bewegung des Surrealismus weit gegangen. In ihr ist es möglich, die gegebene Wirklichkeit anders als üblich wahrzunehmen, Unbekanntes zu entdecken und aus dem Gefundenen immer wieder etwas Eigenes zu machen. Sie hat eine Revolution proklamiert. Sie will Freiheit gewinnen. Sie stösst auf Wunder. Surrealistische Kunst findet mitten im Leben statt.

Der Surrealismus offenbart und zeigt, er deutet Zeichen, Symbole und Mythen, er experimentiert und handelt, und dabei richtet er sich an die Sinne wie an den Verstand, an den ganzen Menschen, dem er nahe legt, selbst aktiv zu werden und die Wirklichkeit zu verändern: gegen Systeme, Ideologien, Vorurteile, Hierarchien, Privilegien, Kommerz, Leistungsprinzip - für Eigenart, Bewusstsein, Radikalität, Inspiration, Utopie, Miteinander, Liebe.

Die Literatur der Romantik hat den Surrealismus motiviert, Franz Kafka ist einer der bedeutendsten Surrealisten avant la lettre, der Dadaismus hat das Seine beigetragen. Die Bewegung hat sich seit etwa 1920 in Wort, Bild, Aktion weltweit verbreitet. Am Aufbruch von 1968 war sie vielfältig beteiligt. Neben häufig als surrealistisch genannten Persönlichkeiten wirkten andere mit, die meist nicht so bezeichnet werden, wie Joseph Beuys. Inzwischen hat sich Surrealistisches, die Aufmerksamkeit für surreale Situationen in verschiedene Richtungen weiter bewegt. Die Präsenz und das Potenzial dieser Bewegung ebenso wie unserer Welt sind es wert, dass wir sie wahrnehmen. Die Möglichkeiten sind da und können wirklich werden. Das ist umso wichtiger, je mehr die Welt ökonomisch, technisch, administrativ durchrationalisiert wird. Die unvermeidlichen Fehler dabei sind vielleicht Glücksfälle.

maximil

[Dazu:
Auf dieser Route
Wenn die Medien ausfallen]

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Das Wichtigste von der Bildung

15. Oktober 2009

Bildung brauchen alle. Mit zu wenig davon ist ein Mensch im Nachteil, viel davon bringt Vorteile. Spätestens mit der Geburt fängt es an: Ein Kind bildet sich schon mit den ersten Erfahrungen, und es wird um so gebildeter, je mehr ihm andere Menschen, vor allem ältere und erfahrenere, dabei helfen.

“Gebildet” klingt elitär, aber in diesem veränderlichen Zustand sind wir alle mehr oder weniger. Er ist ein Bedürfnis und ein Anspruch. Zunächst drückt sich beides besonders in der Sprache aus, erst der gesprochenen und gehörten: Ein Mensch will seinen Mitmenschen etwas sagen, möglichst so, dass sie es optimal verstehen; und er oder sie will von den anderen wissen, was sie mitzuteilen haben.

Gebildet werden, immer mehr und besser, dieser Vorgang wird dann angetrieben von der gelesenen und geschriebenen Sprache. Mit Schrifttexten wird das Weltwissen verfügbar. Bilder vermitteln ebenfalls von Anfang an Bildung, wie das Wort schon sagt; und Klänge: sie bilden vor allem Gefühle.

Zur Bildung tragen die Schulbildung und die berufliche Ausbildung bei, aber sie sind nur ein Teil von ihr. Und das Ziel der Bildung ist nur zu einem geringen Teil ihre wirtschaftliche Verwertbarkeit. Bildung ist auch gar nicht gleichzusetzen mit Wissen oder verschiedenen Kompetenzen. Bei der Bildung geht es darum, über sich nachzudenken, bewusst zu entscheiden, sich zu entwickeln, verantwortlich zu handeln. Das Ziel der Bildung kann ein möglichst glückliches Leben sein.

Das Leben bildet und wird gebildet - wie und wie gut, das liegt bei den Betroffenen und allen Verantwortlichen.

Ein Buch, das das Wichtigste dazu sagt:
Hartmut von Hentig, “Bildung. Ein Essay”, Beltz Verlag Weinheim 2004

maximil

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Reisen mit Gewissen und Genuss

14. Oktober 2009

Fernreisen sind auch ohne Flugzeuge möglich, die immer mehr die Luft und den Himmel verschmutzen, wie öfters am dichten Netz der Kondensstreifen zu erkennen ist. Die übliche Flughöhe ist genau in einer Luftschicht zwischen Ozonsmog und Ozonloch: Nach unten verstärken die Abgase das Ozon, das die Atemwege schädigt, in höheren Luftschichten zerstören sie das Ozon, das dort Haut schädigende Sonnenstrahlen abhält. Mit der Zunahme der Flugbewegungen hat dazu der Kohlendioxidausstoss samt seinen Folgen für das Weltklima deutlich zugenommen.

Jedes Ziel ist auch zu Lande und zu Wasser zu erreichen. Eine Frage ist allerdings, wie wichtig ein Ziel für einen Urlaub oder eine geschäftliche Reise ist. Jedenfalls sind Bahn und Schiff nicht nur ökologisch besser, sie ermöglichen auch entspanntes Reisen - und bringen immer wieder nette Menschen zusammen. Eine Reise mit allem, was dabei zu erfahren ist, und mit dem Gefühl für die Weite ist mehr als das Überwinden einer Entfernung, sie ist ein Erlebnis. Und gerade im Urlaub gehört Zeit haben doch dazu…

Diese Unternehmen bieten Reisen an, die umwelt- und sozialverträglich sind und Natur und Kultur zu einem ungewöhnlichen Erlebnis werden lassen:
BUND-Reisen
Fahrtziel Natur

Eine Zeitschrift mit Angeboten und Informationen: Verträglich reisen

Und Weiteres zum Nachdenken:
Bewusst reisen
Zukunft Reisen

maximil

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Reich und sozial

10. Oktober 2009

Der Sozialstaat, wie er in Europa in mehr als hundert Jahren aufgebaut worden ist, muss als eine politische und kulturelle Leistung angesehen werden, die erheblich zu Wohlstand, Sicherheit, Lebensqualität und gesellschaftlichem Zusammenhalt beiträgt. Ihn abzubauen, ist ein Rückschritt, und dafür gibt es auch keinen vernünftigen Grund. Gerade in Deutschland sind die Mittel da, das Soziale zum Vorteil aller Menschen zu bewahren und weiter zu entwickeln. Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge bringt dafür gute Argumente.

Texte von Christoph Butterwegge (> Texte)

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[Bezieht sich auf Fortschritt?]

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Leben mit der Natur

7. September 2009

Es ist schwierig geworden: die Natur, die Wildnis, die Landschaft zum freien Atmen sind entfernt. Die Zivilisation breitet sich aus. Blühende Wiesen und rauschende Wälder verschwinden, an ihrer Stelle entstehen Industriegebiete, Wohnsiedlungen, immer mehr Strassen. Auch auf dem Land sind schon zu viele Naturräume, Freiflächen und Erholungsgebiete verloren gegangen. Die Sehnsucht nach der Natur, zu der wir Menschen gehören, veranlasst in Folge dessen einen grossen Verkehrsaufwand mit weiteren Schäden. Der Flächenverbrauch und das Siedlungswachstum nehmen inzwischen mehr Lebensqualität, als sie geben können. Dass die Wirtschaft bis zum Gehtnichtmehr wachsen muss, wie behauptet wird, mit hemmungslosem Gewerbebau und massivem Einsatz von Beton und Asphalt, ist Unsinn. Die Menschen werden damit nicht glücklicher. Deshalb brauchen wir ein neues Miteinander des kulturell gestalteten Raums und der natürlichen Welt.

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Heidelberg - von Ralph Thomas Kühnle, Pixelio

An manchen Stellen begegnen sich Bauten und natürliche Landschaft seit langem friedlich. Solche Orte sind angenehm zum Wohnen und zum Anschauen. Ein Beispiel ist die Altstadt von Heidelberg. In der Kulturlandschaft mit Äckern, Obstwiesen, Hecken, Weinbergen, Parks kann eine Symbiose stattfinden. Auch Verkehrswege können mit der Landschaft harmonieren: Alleen, Bahnlinien, Kanäle wie der französische Canal du Midi als Teil des Weltkulturerbes.

Die menschlichen Bedürfnisse ändern sich. Das heisst nicht, dass sie die Welt verwüsten müssen. Es gibt viele Möglichkeiten, vorhandene Bauten zu erneuern, schon genutzte Flächen umzugestalten. So wird Dichte erreicht, mit kurzen Wegen, mehr Inhalten und Bedeutungen an einem Platz - andererseits wird freier Raum belassen, für den weiten Blick und erfrischende Erlebnisse.

Kunstschaffende wie Friedensreich Hundertwasser und Joseph Beuys haben sich mit dem Austausch zwischen Städtebau und Natur befasst. In der Richtung der Kunst in der Landschaft ist auf eine andere Weise darüber meditiert worden, wie Menschen die Erde gestalten. Achten wir darauf!

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Sinnliche Bauten

7. September 2009

Der Künstler Friedensreich Hundertwasser hat zu Beginn der 1970er Jahre in der deutsch-österreichisch-schweizerischen Fernsehschau “Wünsch dir was” vorgeführt, wie es wäre, wenn auf den Dächern von Wohnblocks Kuhweiden angelegt würden. Seine Vorschläge kommen vom Jugendstil her, der um 1900 mit natürlichen Formen eine Gegenbewegung zum Industrialismus veranlasst hat. Der einförmigen industriellen Massenarchitektur hat Hundertwasser seine Projekte für organische, naturverbundene und sinnliche Bauten entgegen gesetzt.

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Hotel Therme Rogner in Bad Blumau, Steiermark, eröffnet 1997, entworfen von Friedensreich Hundertwasser - Foto von Intentionalart, Lizenz: Creative Commons

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[Bezieht sich auf: Leben mit der Natur]

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