1. November 2010
Die Zeitumstellung, bei der die Uhren soeben europaweit wieder um eine Stunde von “Sommerzeit” auf “Normalzeit” umgestellt wurden, stört. Manchen Menschen macht sie nichts aus, aber für viele ist der Rhythmusfehler unangenehm und belastend, weil sie biologisch Gewohntes wie Schlafen und Essen anpassen und wieder in den Takt bringen müssen. Besonders für Kinder und damit auch für die Eltern ist das schwierig. Und wozu der ganze Aufwand? Er fällt umso schwerer, als er keinen nachweisbaren Nutzen hat.
Früher war die Begründung, dass mit der Sommerzeit Energie gespart werden sollte. Davon abgesehen, dass das auch für den Winter gelten müsste, hat sich das Argument als haltlos erwiesen. Andere mögliche Vorteile werden von den Nachteilen mehr als ausgeglichen.
Die ersten Staaten, die im Sommer die Zeit geändert haben, waren Deutschland und Österreich-Ungarn - und zwar 1916, mitten im Ersten Weltkrieg. Die USA haben damals nachgezogen. Nach dem Krieg wurde die Regelung wieder abgeschafft und im Zweiten Weltkrieg auf beiden Seiten erneut praktiziert. Diese Kriegszeit hat die Politik in Europa anlässlich der Ölkrise der 1970er-Jahre wieder eingeführt, mit einer Ausnahme: Island. Nur in der Schweiz gab es eine Volksabstimmung, sie verzögerte dort die Einführung der Sommerzeit um drei Jahre.
Ohne Grund wird Hunderten Millionen Menschen zweimal jährlich ein Zeitsprung zugemutet, dem sie nicht ausweichen können. Dies spricht gegen die menschliche Vernunft - solange, bis es geändert ist.
> Der Kampf gegen die Zeitumstellung (ORF)
maximil
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17. September 2010
Wenn Lebewesen wachsen, ist das wunderbar. Ein Kind wächst: Es entwickelt sich, gewinnt Fähigkeiten, lernt. Weizen wächst, bis die Körner reif sind und von Menschen als Lebensmittel geerntet werden können. Da nutzt ein Lebewesen ein anderes für sein Wachstum. In der Natur gibt es Werden und Vergehen und neues Wachsen. Bei vielfachem Austausch findet immer wieder ein Ausgleich statt. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, heisst es sprichwörtlich.
In der Wirtschaft und ihrer Politik soll es anders sein. Immer grösser, immer mehr, immer mächtiger, solche Ergebnisse werden gewünscht: grössere Unternehmen, grössere Einkaufszentren, grössere Kraftwerke, mehr Strassen, mehr Bildschirme, vor allem mehr Geld. Sobald ein Ziel erreicht wird, ist es schon überholt. Das Ganze läuft immer schneller ab. Wohin führt das?
Dieses Wachstum bringt Wohlstand, Gesundheit, Freiheit, Luxus - einerseits. Andererseits bringt es, wie wir wissen, Luftverschmutzung, abgeholzte Wälder, Ölpest, Allergien und andere Zivilisationskrankheiten, Stress und Leistungsdruck, Armutsfluchten, Sinnkrisen. Lebensgrundlagen gehen verloren. Die Wirtschaftsweise, die derart unweise Wachstum betreibt, hat offensichtlich eine katastrophale Bilanz und setzt dabei auch den erreichbaren Wohlstand aufs Spiel. Zudem ist bekannt, dass ab einem gewissen Standard Wohlstandszuwächse nicht mehr glücklicher machen. Trotzdem wird in der Politik weiter das Wirtschaftswachstum beschworen.
Nur mit ihm gebe es Arbeitsplätze und Einkommen, wird gesagt. Aber hohe Unternehmensgewinne ermöglichen erst, in Maschinen und Rechner zu investieren und damit Arbeitsstellen wegzurationalisieren. Neue Arbeitsplätze werden überwiegend zu schlechteren Bedingungen als zuvor angeboten. Zugleich fliessen Milliarden-Geldströme in Finanzgesellschaften und werden auf Kosten der Allgemeinheit verspekuliert.
Den Massen von neuen Konsum-Produkten mit entsprechendem Umweltverbrauch, aber oft ohne Zusatznutzen wird gern das qualitative Wachstum entgegengehalten. Effizienterer Rohstoffeinsatz, erneuerbare Energien, Digitalisierung, Medientechnik, mehr Dienstleistungen sollen für mehr Wohlstand sorgen und schädliche Folgen vermeiden. So richtig viele dieser Ansätze sind, es wird doch inzwischen deutlich: Sie wirken nicht wie erwartet und nötig, solange mit wirtschaftlichem Wachstum gerechnet wird. Ein-Liter-Autos für Milliarden Menschen brauchen eine aufwendige Verkehrsinfrastruktur, Rechner und Medien verbrauchen ebenfalls Material und Energie, Dienstleistungen treiben oft wieder einen hohen Verkehrsaufwand.
Es wird auf einen anderen Lebensstil ankommen. Wo materielle Bedürfnisse überbewertet worden sind, lassen sich wichtigere Werte entdecken. Menschliches Miteinander, freiwilliger sozialer Einsatz, Natur und Kultur erleben, Bildung - das macht eher zufrieden. Genuss ist nicht auf Reichtum angewiesen. Weniger kann mehr sein, nämlich wenn es besser ist.
Eine entsprechende Weise des Wirtschaftens richtet sich nicht auf Wachstum, sondern auf Gleichgewicht. Die Beziehungen und der Austausch zwischen den Beteiligten und mit der Natur sollen stimmen. Dynamik kommt dabei in Kreisläufen zum Zug.
Die Wachstums-Ideologie ist zu verabschieden - dann kann das, was uns wirklich guttut, wachsen.
> Niko Paech: Postwachstumsökonomie
> Denkwerk Zukunft
> “Wachstum bis zum Kollaps?” (Kontext-TV 6.6.2011)
Erich Fromm, “Haben oder Sein”, DTV 2005
maximil
[Dazu: Fortschritt?
Geld fehlt Wert
Was tun für gutes Leben?]

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16. September 2010
“Der Europäer ist zwar überzeugt, nicht mehr das zu sein, was er vor Alters gewesen ist, weiss aber noch nicht, zu was er inzwischen geworden ist. Die Uhr sagt es ihm, dass sich seit dem so genannten Mittelalter bei ihm die Zeit und ihr Synonym, der Fortschritt, eingeschlichen und ihm Unwiederbringliches genommen haben. Mit erleichtertem Gepäck setzt er seine Wanderung nach nebelhaften Zielen mit progressiver Beschleunigung fort.”
Carl Gustav Jung, “Erinnerungen, Träume, Gedanken”
Der Fortschritt hat Wohlstand und Glück gebracht. Es wird verlangt und erhofft, dass er mehr davon bringt. Aber mit weiter zunehmendem Wohlstand werden die Menschen nicht glücklicher, wie sozialpsychologische Untersuchungen zeigen. Was läuft da schief?
Als die Fortschritts-Idee im 18. Jahrhundert aufkam, war daran gedacht, dass die Vernunft sich durchsetzen sollte: Sie sollte die materiellen und sozialen Lebensverhältnisse der Menschheit optimieren. Zu den Ergebnissen gehören Elektrogeräte, Automobile, Sozialversicherungen - und Umweltprobleme, Weltkriege, Elendsviertel.
“Der Fluch des unaufhaltsamen Fortschritts ist die unaufhaltsame Regression.”
Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, “Dialektik der Aufklärung”
Wie sieht es in den letzten 20 oder 30 bewusst erlebten Jahren aus? Sichtbar ist, dass Siedlungen, Gewerbegebiete und Verkehrswege Naturlandschaft verschwinden lassen. Weniger sichtbar ist, dass trotz steigenden Bruttoinlandsprodukts sich Armut ausbreitet. In vielen Bereichen wird mehr Arbeit für weniger Geld verlangt. Die volle Rente wird erst mit 67 Jahren gewährt. Die soziale Unsicherheit wird grösser, weil Arbeitsverhältnisse kaum noch Dauer haben. Der Zwang zur beruflichen Flexibilität ist aufreibend.
Der materielle Reichtum der Gesamtgesellschaft zeigt sich in luxuriösen Einkaufszentren und angelegten Milliardenvermögen. Trotzdem spart der Staat am Sozialen, an öffentlichen Einrichtungen, an der Kultur. Es fehlen Stellen in Kindertagesstätten, in Schulen, in der Pflege, in der Sozialarbeit, bei der Polizei, bei der Justiz. Verbraucherberatungen, Bibliotheken und Museen, die kostenlos nutzbar waren, haben Gebühren und Eintrittsgelder eingeführt.
Einrichtungen von denen finanzieren zu lassen, die sie nutzen, könnte sinnvoll sein, wenn staatliche Steuerung durch genossenschaftliche Selbstorganisation abgelöst werden sollte. Dazu müsste aber der gesellschaftliche Reichtum einigermassen gleichmässig verteilt sein, sonst sind die Chancen der Teilhabe ungleich - diese Ungerechtigkeit ist jetzt wie schon lange der Fall.
Kinder und Jugendliche verwahrlosen, weil Eltern aus verschiedenen Gründen immer häufiger mit der Erziehung überfordert sind und ihnen die Gemeinschaft nicht hilft. In der Bildung werden ebenfalls aus mehreren Gründen die Defizite grösser. Sie wird oft nur noch als Ausbildung für die Zwecke des Arbeitslebens verstanden. Sprach-, Schreib- und damit Kommunikationsfähigkeit sind auch bei akademisch (Aus-)Gebildeten oft schwach.
Zum Glück lässt sich bei einer Bilanz des Fortschritts auch Positives feststellen. Der öffentliche Regionalverkehr ermöglicht inzwischen fast überall eine vernünftige, bequeme Mobilität. Auch der Fernverkehr mit Bahn und Flugzeug ist schneller, komfortabler, billiger geworden, aber das ist wieder kein sinnvoller Fortschritt: Besonders beim Fliegen ist der Saldo von Nutzen und Umweltschäden ungünstig, zum Teil gehören Fernreisen zu den überflüssigen Wohlstandsgewinnen, und zum Teil werden mit ihnen Bedürfnisse befriedigt, die es zuvor nicht gegeben hat. Auch die regionale Infrastruktur wird genutzt, um Arbeitsstätten verlegen oder zentralisieren zu können, so dass Beschäftigte über längere Strecken pendeln müssen. Solange diese Verkehrsbedingungen nicht bestanden haben, hat die Wirtschaft auch funktioniert.
Es gibt ein grosses Angebot von Bio-Produkten, vor allem an Lebensmitteln, weniger an Textilien, Möbeln und Haushaltswaren. Die Landwirtschaft produziert vermehrt ökologisch. Bemühungen um Naturschutz haben Erfolg. Diese Fortschritte sind leider relativ, denn weltweit gesehen kontrastieren damit die Rodung von Tropenwäldern für Plantagen und der massive Anbau von gentechnischen Pflanzen besonders in Amerika und Asien. Historisch betrachtet wird mit der Öko-Landwirtschaft wieder eine Arbeitsweise erreicht, die vor der Erfindung der Agrarchemie üblich war.
Die Medizin kann mit neuen Therapien helfen. Jedoch treten Krankheiten und Leiden psychischer Art auf, die früher so nicht bekannt waren: Allergien; Beschwerden durch die Wirkungen von Chemikalien, Radioaktivität, elektromagnetischen Strahlen, Lärm, beruflichem Stress; Ess- und andere Verhaltensstörungen besonders bei Kindern und Jugendlichen. Dafür werden noch kaum zureichende Behandlungen angeboten.
Für die Menschenrechte gibt es mehr Sensibilität. Minderheiten und unkonventionelle Lebensweisen bekommen mehr Respekt. Die Verständigung zwischen Kulturen wird gefördert. Demokratie ist international ein wichtiges Thema.
Andererseits: Gerade in den traditionell demokratischen Staaten Europas werden die vorhandenen Entscheidungsrechte der Bürgerinnen und Bürger immer mehr beeinträchtigt. Einmal wurde mit Privatisierung, Deregulierung und Liberalisierung in wichtigen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft der Einfluss des Staates und seiner gewählten Organe reduziert; stattdessen entscheidet Konkurrenz mit Vorteilen für die Mächtigen. Interessengruppen gelingt es verstärkt, hinter den Kulissen Beschlüsse von Regierungen und Parlamenten vorzubereiten. Viele Entscheidungskompetenzen sind von Deutschland auf die EU und andere internationale Organisationen übergegangen, die nur mangelhaft demokratisch legitimiert sind.
Zwischen den Weltkulturen des Westens und des Islams wird ein verschärfter Konflikt ausgetragen, der bis zu Terror- und Militäraktionen geht. Und Deutschland führt sei 1999 wieder Kriege, erst in Serbien, dann in Afghanistan - schlecht für Völkerrecht und Menschenwürde.
“Der Begriff des Fortschritts ist in der Idee der Katastrophe zu fundieren. Dass es ’so weiter’ geht, ist die Katastrophe. Sie ist nicht das jeweils Bevorstehende, sondern das jeweils Gegebene.”
Walter Benjamin, “Zentralpark”
Wir haben das Internet! Das ist ein Fortschritt von Wert - auch wenn er nicht unbedingt mit Vernunft zu tun hat. Mit dem weltweiten Netz ist das Wissen der Menschheit für fast alle zugänglich und verfügbar geworden. Das Chaos ist auch darin, das einen Teil jedes menschlichen Gehirns beansprucht. Dennoch, da ist ein unglaublicher Reichtum mit ungeheuren Möglichkeiten. Hoffentlich können wir damit etwas Vernünftiges anfangen.
Mit oder ohne Netz und doppelten Boden ist der Fortschritt zwiespältig - so wie auch das Wachstum, das für die Wirtschaft weiterhin beschworen wird, als ob der erwirtschaftete Reichtum nicht längst gross genug wäre, und als ob Verantwortungsbewusste nicht längst auf die Grenzen des Wachstums hingewiesen hätten. Angeblich kann der Lebensstandard nur durch Mengenwachstum gesichert werden - eine absurde Behauptung. Jahrtausendelang hat Wirtschaft anders und besser Werte geschaffen, in natürlichen Kreisläufen und Zusammenhängen. Das Konzept des qualitativen Wachstums versucht, sich darauf zu beziehen. Es ist wichtig zu erkennen, was unterstützenswert ist.
“An Fortschritt glauben heisst nicht glauben, dass ein Fortschritt schon geschehen ist. Das wäre kein Glauben.”
Franz Kafka, “Beim Bau der Chinesischen Mauer”
maximil
Erste Fassung 9.10.2009
[Dazu: Wird etwas besser?]

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10. August 2010
Hell und heiss ist es draussen,
mild im Widerschein unter dem Ziegeldach.
Früh hat der Tag schon angefangen
mit etwas Frische
und dunstigem Blau,
nun ist er weit in alle Richtungen,
ins Unendliche oben,
Rufe sind selten und bedeutungsvoll,
Gedanken überraschen,
dann ist wieder Stille,
ein Glas Wasser ist die Mitte der Welt,
ich kann es fassen.
Unter Platanen sitzen wir,
in der aufgeladenen Luft,
während der Tag sich hinzieht,
ohne Rand,
über verschwommene Horizonte,
es wird getafelt, beraten und gelacht,
und nebenbei ein Blick und mehr -
dann wird geschaut,
wie sich der Himmel sanft herabsenkt.
André Schmidt

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17. Juli 2010
Ich habe von einem Einsiedler gehört, ich weiss nicht, ob er vor langer Zeit gelebt hat oder ob er noch lebt. Der Einsiedler siedelte also einzeln, allein, das heisst er wohnte irgendwo möglichst weit weg von anderen Menschen, in einer einsamen Gegend, wo gibt es so eine heute noch? Wahrscheinlich liebte er die Natur. Er lebte da, um das Leben zu spüren - vermute ich.
Es gibt aber auch Einsiedler und Einsiedlerinnen, die Wand an Wand mit anderen Menschen wohnen, zu denen sie keine Beziehungen haben. Manche Einzelkinder leben schon so, allein vor einem Bildschirm, der ein Tor ist, das weit offen vor einer geheimnisvollen Welt zu sein scheint, aber das täuscht leider. Aus Sicherheitsgründen werden Zugänge gesperrt, und es nützt dir nichts, wenn du sie umgehst, du verirrst dich und es drohen Fallen.
Früher waren Einsiedler oft religiös. Sie wollten wissen oder fühlen, was wichtig ist: Kosmos, Gott, das Leben. Darüber lässt sich aber schwer etwas Eindeutiges sagen.
Der Einsiedler, von dem ich erzählen will, hatte sich vorgenommen, jeden Tag etwas aufzuschreiben, was ihm gefallen hat. Wenn ihm das Essen geschmeckt hat, schrieb er darüber am Abend in ein Buch mit anfangs leeren Seiten, und er versuchte auch, den Geschmack und seine Empfindungen zu beschreiben. Wenn er etwas Neues gelernt oder erfahren hat, schrieb er es auf. Oder er hat an einem langen Sommerabend geglaubt, dass die Zeit still steht und es gut ist so - dann hat er das in Worte gefasst und mit Tintenstift aufs Papier gebracht. Er wollte das Wohltuende dokumentieren und damit festhalten, denn er dachte, er würde es einmal wieder brauchen können, oder jemand sonst. Er fühlte sich wohl dabei.
An einem Abend wollte er gerade eine Musik beschreiben, die ihn begeistert hatte, da ging ihm die Tinte aus. Er hatte keine andere Mine mehr im Haus, auch keinen anderen Stift und keine Tastatur. Der nächste Schreibwarenladen war Kilometer weit entfernt und ausserdem schon zu. Nachbarn gab es nicht. Der Einsiedler war beunruhigt.
Würde sein Musikerlebnis nun sang- und klanglos verschwinden? War diese Blockade nicht sogar ärgerlich? Vielleicht sollte er das, was er schreiben wollte, wenigstens aussprechen - so würde der Schall seiner Worte in die Atmosphäre, die Natur, die Welt hinein wirken. Das wäre allerdings kaum nachvollziehbar, überlegte er kritisch, aber womöglich direkter und dynamischer als ruhende Schriftzeichen. Und es entsprach den Klängen, die der Anlass seines Formulierens gewesen waren.
So sprach er sein Lob der Musik durch ein geöffnetes Fenster in die nur von einem leichten Wind bewegte Abendluft, deutlich, etwas ins Singen kommend, und schliesslich schien der Horizont der Hügel leise zu schwingen.
Als der Einsiedler sich schlafen legte, spürte er Zweifel. Das Gesprochene akustisch aufzeichnen, das wäre schon sicherer. Er hatte dafür kein Gerät, nicht einmal ein Telefon, mit dem er seinen Text auf einen Anrufbeantworter hätte sprechen können.
Am nächsten Tag verliess der Einsiedler sein Haus in den Hügeln und ging auf eine Reise, um eine alte Freundin zu besuchen und ihr zu sagen, was ihm wichtig war.
Jedenfalls habe ich die Geschichte so verstanden.
Claire Destinée

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8. Juni 2010
Anders als Fernsehen oder Internet kann Theater ein Thema, eine Angelegenheit, eine Geschichte in nächster Nähe darstellen. Die Zuschauenden können sogar zu Mithandelnden werden. Theater führt Möglichkeiten vor. Damit löst es bei seinem Publikum Gedanken und Emotionen aus, die sich auf das reale Leben danach auswirken. Eine politische Theatertruppe wie die “Berliner Compagnie” lässt auf einen Auftritt Diskussionen folgen, und gelegentlich schliesst sich eine gemeinsame Aktion an.
Die “Berliner Compagnie” macht seit 1981 Theater für Menschenrechte, Frieden und Entwicklung. Sie beruft sich auf das epische Theater von Bertolt Brecht, das Dokumentartheater von Peter Weiss, das Théâtre du Soleil von Ariane Mnouchkine. Mehrere Stücke hat sie im Programm, die interessierte Veranstalter, auch Schulen, Verbände und Initiativen, im deutschsprachigen Raum für Gastspiele buchen können:
- In “Das Blaue Wunder” geht es ums Wasser, eine Ressource, die weltweit knapp wird. Mithilfe der Politik ist sie inzwischen ein lukratives Geschäft für Konzerne. Menschen, für die sie ein Lebensmittel ist, über das sie frei verfügen wollen, treten dem entgegen.
- “Die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch” zeigt den Afghanistan-Krieg aus der Sicht einer einheimischen Familie. Deutlich wird, dass es Alternativen zur Gewalt gibt.
- “Die Weissen kommen” - nach Afrika, auch heute noch mit der Absicht, diesen Erdteil auszubeuten. Die Menschen dort mit ihren Vorstellungen vom Leben erscheinen auf der Bühne, um wahrgenommen zu werden.
Weiter bietet die “Berliner Compagnie” Aufführungen, die sich mit der globalen Landwirtschaft befassen, mit ethisch sauberer Kleidung und sozialen Bewegungen.
Berliner Compagnie
maximil
Themen: Allgemein · Kultur · Politik
16. März 2010
Die “Aktion Lebendiges Deutsch” sammelt und bewertet deutsche Entsprechungen für Ausdrücke, die aus dem Englischen kommen. Der
dahinter stehende Verein Deutsche Sprache begründet es so: “Wir bejahen die Bereicherung des Deutschen durch fremde Sprachen, und manche Importe gerade aus dem Englischen begrüssen wir. Unsere Initiative richtet sich allein gegen die schiere Anglomanie, gegen das Übermass.”
Anders gesagt:
- Englische Wörter werden in anderen Sprachen oft ungenau verstanden. Wenn sie aus Werbe-Interessen in die Welt gesetzt werden, verschleiern oder lügen sie sogar. Hier steht die Kommunikation zwischen Menschen in Frage. Meistens ist ein deutsches Wort deutlicher.
- Modische Wörter (egal woher sie kommen) können witzig sein, aber sie sind es umso weniger, je öfter sie nachgesprochen oder -geschrieben werden. Freie Persönlichkeiten werden entscheiden: Es ist besser, die eigene Sprache kreativ zu verwenden.
- Die deutsche Sprache hat eine grosse Geschichte und bietet vielfältige Möglichkeiten, etwas zu sagen. Sie kann und sollte sich gegen eine englische Welteinheitssprache behaupten und unsere Kultur beleben.
Aktion Lebendiges Deutsch: Angebote
Verein Deutsche Sprache
maximil
Themen: Allgemein · Kultur · Politik
4. März 2010
“Das Worte-Suchen verläuft im Schweigen, ohne Schweigen gibt es kein vernünftiges Sprechen. Was letzteres sei? Ein das Handeln nicht nur legitimierendes, sondern begründendes und verstehendes Sprechen, eine Benennung, die die Dinge weder ersetzt noch verbirgt, sondern hervortreten lässt.”
Barbara Sichtermann, “Die schweigende Mehrheit war weiblich”, in “Wer ist wie?”, Berlin 1987, S. 94
Themen: Allgemein · Kultur · Politik
2. März 2010
Es gehört einiges dazu, Politik und Schönheit zusammenzubringen. Die Politik, wie sie üblicherweise betrieben wird, ist für viele abstossend: Herrschaft, unter der die Beherrschten leiden; der obskure Kampf von Interessengruppen um Einfluss; Korruption; Verschwendung gemeinsam aufgebrachten Steuergeldes; Beschränkung auf Reparaturen und das Nötigste statt Einsatz für das Wichtige; Handeln gemäss angeblicher globaler Sachzwänge statt aufgrund gesellschaftlicher Bedürfnisse und humaner Möglichkeiten; dem gegenüber das verbreitete Gefühl, nicht mitbestimmen zu können. Und Schönheit? Die Meinungen über sie gehen auseinander (wie in der Politik), sind auch skeptisch, aber es gibt eine grosse Sehnsucht nach ihr. Sie ist nicht so leicht zu finden, sie wird in besonderen Augenblicken an Menschen erlebt, sonst eher am Rand der Gesellschaft, in der Natur, und sie begegnet in kulturellen Werken.
Damit ist umrissen, was es heisst, den Anspruch der Schönheit auf das Politische zu richten: Es kommt dabei auf Humanität, Ökologie und Bildung an, und zwar so, dass diese Werte nicht politisch instrumentalisiert werden, sondern Vorgaben sind. Im Namen der Schönheit können künstlerische Gegenstände und Inszenierungen deutlich machen, was menschenwürdig ist. Eine solche Initiative ist das Zentrum für Politische Schönheit. Die Beteiligten sind mit ihren Aktionen dabei, etwas zu bewirken.
Zentrum für Politische Schönheit
maximil
[Dazu:
Wird etwas besser?
Für Lust und Leben
Irritierend...]
Themen: Allgemein · Kultur · Natur · Politik
2. März 2010
Aufmerksam sein, bedenkenswert fragen, etwas zeigen, und auf diese Weise berühren und bewegen - das tut einer, der nicht angepasst ist, und nach seinem Verschwinden wird es deutlich und wirkt weiter.
“Über das Verschwinden”, Film, Regie und Buch Philipp Ruch, 2005, 16 min.
Über das Verschwinden (2005) von Politische Schönheit auf Vimeo
Aus solchem menschenwürdigen Verhalten kommt humane Politik.
maximil
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